Grimm lebt noch heute Oder The World Wide Web Wood # Ein Stück von Nadine Weber

Personenverzeichnis:

  • Grethel
  • Dornröschen
  • Eisenhans
  • Der König
  • Ein Wanderer
  • Rotkäppchen

Ort und Zeit

Gestern und heute, hier und da

Grundlage

Brüder Grimm: „Kinder- und Hausmärchen.“ Vollständige Ausgabe auf der Grundlage der dritten Auflage (1837). Hrsg. Rölleke, Heinz. Insel Verlag. Frankfurt/Main.2004.

1.Akt, 1.Szene

Drehbühne immer in Bewegung, zugestellt mit technischen Geräten (PC, Laptop, Telefon, Handy, Fernseher usw.). Alle Geräte sind eingeschalten, sodass ein surrendes Geräusch allgegenwärtig wird.
Auf Grethels Schreibtisch befindet sich eine vertrocknete Pflanze. Sie raucht permanent, sodass Rauchschwaden den Raum ausfüllen. Sie spricht in eine kleine Kamera, die am Bildschirm ihres PC´s angebracht ist.

Grethel: Please enter your password and nick name. Please follow the next instructions.
Shit, wie lautete noch gleich mein Passwort? Ich kann es doch nicht vergessen haben. Mein nick name weiß ich noch, Moment mal, nein, das war der, von der anderen Homepage. Ich bin jetzt auf der Seite „friends“. Mein Spitzname ist Schneewittchen. Mein Passwort? Leise.Grimm.
Thank you for contact.
Spöttisch Thank you, endlich.
Hallo ihr Lieben. Mein Name ist Schneewittchen. Ich habe Haare, so schwarz wie Ebenholz, Haut, so weis wie Schnee und Lippen, so rot wie Blut. Ich würde euch gern kennenlernen, mailt mir ein Bild von euch und wir werden viel Spaß miteinander haben. Senden.

Typisches Geräusch für eingegangene Nachrichten

Sie haben eine neue Nachricht. Message recieved.

Über Lautsprecher hört man die Stimmen der Chatpartner.

Das blaue Licht: Hallo Schneewittchen. Ich würde dich sehr gern näher kennenlernen.
Ich bin gerade neu in diesen Raum gezogen. Ich weiß noch nicht so
richtig bescheid über die Gepflogenheiten hier. Ich fühle mich verloren. Ich würde mich freuen, wenn wir Freunde werden könnten. Senden.

Grethel: Hallo blaues Licht. Schön, das du dich so schnell auf meine Anzeige gemeldet hast. Ich befinde mich schon länger in diesem Raum und zeige dir gern den Weg. Ich bin dein Freund, wenn du mir nur vertraust und auch ich dir vertrauen kann. Senden.

Das blaue Licht: Natürlich kannst du mir vertrauen, außerdem hast du jeden Wunsch frei. Senden.

Grethel: für sich. Natürlich kannst du mir vertrauen., wer´s glaubt.
Sie haben eine neue Nachricht. Eisenhans. Klingt interessant, mal sehen, wer da dahinter steckt.
Hallo Eisenhans. Hälst du, was dein Name verspricht. Bist du wirklich stark, wie Eisen oder bist in echt nur ein Prahlhans? Senden.

Eisenhans: Ich bin so stark wie Eisen, wenn deine Lippen so rot wie Blut sind. Senden

Das blaue Licht: Schneewittchen, warum schreibst du nicht? Wünsche dir doch was. Senden.

Grethel: Eisenhans, also? Schön dich kennenzulernen. Ich musste mir gerade auf die Lippen beißen. Meine Lippen sind rot. Senden.

Dornröschen: Schneewittchen, lass meinen Eisenhans in Frieden. Ich finde es nicht witzig, wie du einfach unsere hundertjährige Ruhe zerstörst. Blutige Lippen. Wenn das lustig sein soll, dann erzähl ich dir mal wie es wirklich ist, wenn man durch einen Nadelstich in Ohnmacht fällt. Alles klar? Senden.

Grethel: für sich Wie ist die denn unterwegs.
Liebes Dornröschen. Ich bin hier in friedlicher Absicht. Ich bin auf der Suche nach neuen Freunden und ich wollte keineswegs eure Ruhe stören. Ich kenne mich hier noch nicht richtig aus. Ich fühle mich verloren. Ich würde mich freuen, wenn wir Freunde werden könnten. Senden.

Das blaue Licht: Schneewittchen? Senden.

Dornröschen: Na, wenn das so ist. Hallo Schneewittchen. Ich bin Dornröschen und ich lebe schon viele Jahre hier. Über lange Zeit ist hier nichts aufregendes passiert, bis sich eines Tages mein Prinz Eisenhans in mein System einloggte und seitdem bin glücklich und zufrieden. Natürlich reagiere ich eifersüchtig, wenn eine so junge und hübsche Frau, wie du sie bist, an meinen Prinzen heranmacht. Entschuldige vielmals. Wenn du mir vertraust, und das hoffe ich, kann ich dir gern den Weg hier durch zeigen. Senden.

Grethel: für sich. Mein Gott ist die naiv. Aber gut soll sie glauben, was sie will.
Hallo blaues Licht. Meine Mutter verlangte schon wieder nach mir, ich sollte ihr sagen, ob sie auch schön genug aussieht. Von daher war ich leider verhindert, dir zurück zu schreiben. Hoffe man hört bald wieder von einander. Liebe Grüße, Schneewittchen. Senden. Vollidioten. Log out.

2. Szene

Grethel zappt sich durch das Fernsehprogramm. Zündet sich erneut eine Zigarette an. Hustet. Trinkt Kaffee und lehnt sich entspannt in ihren Stuhl.

Grethel: Log in. Nick name: Maleen. Password: Grimm.
Hallo ihr Lieben. Mein Name ist Maleen. Ich würde gern jemanden von euch lieben Menschen kennenlernen. Mailt mir und wir werden hoffentlich viel Spaß miteinander haben. Senden.

König: Brennettelbusch,
Brennettelbusch, so klene,
wat steist du hier allene? Senden.

Grethel: für sich. Da ist wohl jemand vom Fach?
Hallo König. Fühle mich tatsächlich etwas allein. Du scheinst mir ein recht schlauer König zu sein. Senden.

König: Wie alt bist du denn, Maleen? Senden.

Grethel: für sich. Was geht den das denn an?
Sie lügt. 12 Jahre werter Herr König, und du? Senden.

König: Da bin ich aber froh, ich würde mich freuen, wenn wir uns mal treffen können. Ich bin ein sehr netter König und besitze ein großes Schloß im Wald mit ganz vielen Zimmern. Wir können dort so viel Spaß haben, wie du nur willst. Es gibt das beste Essen, die schönsten Spielsachen und ganz viele, liebe Tiere. Senden.

Grethel: Wenn ich dann zu dir komme, kann ich mir da alles anschauen und mit allem spielen? Und gibt es auf ihrem Schloß auch nichts, wovor es mir gruseln könnte. Ich habe nämlich schon einiges über Gespenster und Ungeheuer in Schlössern gelesen. Senden.
Jetzt bin ich aber gespannt.

König: für sich. Die Kleine fällt voll auf mich rein. Noch ein kleines bisschen und ich hab sie soweit, dass sie mit mir mitkommt.
Du brauchst keine Angst zu haben, ich bin ein guter und lieber König, der dich so lieb haben wird, als seiest du seine eigene Tochter. Senden.

Grethel: für sich. Unglaublich. Er kennt das Märchen der Jungfrau und glaubt tatsächlich ich sei eine, die er ganz unverhohlen auf sein Lustschloß schleppen kann. Es würde mich nur interessieren, ob er sein Gerede auch in die Tat umsetzen würde.
Lieber König. Wenn alles so ist, wie du mir versprochen, so will ich mit dir gehen. Wann und wo treffen wir uns? Senden.

König: für sich. Perfekt, mein Plan ist aufgegangen. So muss ich schnell meiner Köchin im Keller Anweisung zur Vorbereitung für unser Festmahl geben. Sie weiß, was sie zu tun hat.
Mein Kleines. Maleen. Lass uns morgen um 20Uhr am Stadtrand, Bushaltestelle Waldspielplatz treffen. O.k.?! Senden.

Grethel: für sich. Wenn der glaubt, dass ich da alleine auftauche wird er sich aber geirrt haben.
Logout. Login. Nick name: Schneewittchen. Password: Grimm.
Lieber Eisenhans. Ich wollte dich fragen, ob du nicht Lust hast, dich mit mir ganz heimlich im Wald zu treffen. Ich habe da so eine kleine Hütte, in der mann es sich bequem machen kann. 20Uhr?! In freudiger Erwartung dein Schneewittchen. Senden.
Hallo Dornröschen. Ich wollte mich nochmal für mein unflätiges Verhalten von vorhin entschuldigen. Um alles wieder gut zu machen, würde es mich sehr freuen, wenn du morgen gegen 20Uhr mit mir im Wald spazieren gehen willst? Senden.
Für sich. Somit wäre ich auch abgesichert.

Das blaue Licht: Schneewittchen, wünsche dir doch was. Senden.

Grethel: für sich, ironisch Manche Gestalten wissen einfach nicht, wann genug ist. Was soll ich mir denn wünschen? Vielleicht ein schickes Kleid für mein Treffen mit dem einzig wahren König? Oder soll ich mir ewiges Leben und ewigen Frieden auf der Welt wünschen? An so etwas glaube ich schon lang nicht mehr. Die Welt ist grausam und zerstörerisch. Nichts anderes habe ich von klein auf gelernt. Meine Mutter stieß mich fort. Auf die Straße bin ich geflogen, mein Vater interessierte ja sowieso nicht was aus mir und meinem Bruder werden sollte. Die ersten Tage hatten wir noch ein kleinwenig Brot zu essen, doch das reichte bei weitem nicht aus. Mein Bruder fand dann eine ältere Frau, mit der er zusammenzog, sie mästete ihn regelrecht, aber was aus mir wurde, berührte ihn auch kein bisschen. So zog ich also aus, um der Welt das fürchten zu lehren, wie ich anfangs noch dachte. Doch der Welt gruselt es nicht. Sie schlägt zurück, grausamer als es meine Mutter damals tat und da dachte ich schon es wäre das Schlimmste auf der Welt. Ich zog mich zurück, nachdem ich mir mit Gelegenheitsjobs und harter körperlichen Arbeit etwas Geld gespart hatte. Ich lebe in meiner eigenen Welt. Ich bin nicht real. Ich bin eine Projektionsfläche für alle anderen, sie sehen in mir die zarte Jungfrau, das liebe Schneewittchen, aber keiner sieht wer ich in echt bin und das ist mein Schutz, das ist meine Waffe. Und ich werde sie zum Einsatz bringen. Ich bin es Leid immer nur die Kleine zu sein. Ich habe das nicht verdient. Ich werde es euch zeigen und dann wird keiner mehr lachen.
Ich muss mich anziehen, es ist kalt draussen. Setz dir eine Mütze auf, mein Kleines, hat sie immer gesagt, sonst erkältest du dich; nimm ein Stück Brot mit, mein Kleines, sonst verhungerst du; als ob das nicht ihre insgeheime Begierde war. Mutter ich liebe dich für das, was du mir angetan hast, weil du meine Mutter bist.

Eisenhans: OK. Bis dann. Senden

Dornröschen: Das hätte ich jetzt nicht erwartet, aber wenn du so lieb darum bittest, komme ich gern. 20Uhr am Waldspielplatz. Ich werde da sein. Senden.

Grethel zieht sich an. Sie drückt ihre Zigarette im Pflanzentopf aus und schüttet den restlichen Schluck Wasser dazu. Sie scheint zu allem entschlossen, sie setzt sich die Mütze auf, packt Brot in ihre Tasche und nimmt eine Flasche Wodka mit.

2.Akt, 1.Szene

Drehbühne, permanent in Bewegung. Wald. Tiergeräusche vom Band. Abenddämmerung. Ein warmes Licht sorgt für ein Gefühl der Behaglichkeit. Diese Szene ist der absolute Gegensatz zum ersten Akt.

Grethel: Verdammt, ich habe ja ganz vergessen, mit denen auszumachen, woran man sich erkennt. Keiner hier. Es ist schon viertel nach Acht. Ich habe keine Lust mehr. Ich gehe.
Grethel ab.

König: So meine kleine Jungfrau Maleen, jetzt bin ich aber mal gespannt, wie meine Kleine aussieht. Sie wollte es wohl spannend machen, indem sie sich mir zu erkennen geben wird, nachdem ich weder ein Foto, noch ein Beschreibung von ihr erhalten habe. Ich glaube, die hat es faustdick hinter den Ohren. – Oh wer kommt denn da.
Der König versteckt sich hinter einem Baum, während sich Dornröschen hilflos in der Gegend umsieht.

Dornröschen: Wo sie wohl bleibt? Ich hoffe, sie hat mich nicht angelogen. Vielleicht ist sie auch gar keine Frau, sondern ein Mann, oh mein Gott. Was soll ich denn jetzt tun? Diese Internetgeschichten ähneln den der Grimms doch recht gewaltig. Ich glaube, jetzt ist der Punkt erreicht, wo man auch in Horrorfilmen anfängt zu rennen.

Sie rennt los und rennt dem König direkt in die Arme. Dornröschen, kreidebleich, schreit auf.

Dornröschen: Wer sind sie? Hilfe!

König: Meine kleine Maleen! Ich bin es dein König, der dich jetzt wie versprochen auf sein Schloß im Wald bringt.
Für sich. Mit dem Alter hat sie aber schon etwas gelogen, die ist mindestens schon 17. Aber egal.

Dornröschen: Ich weiß nicht wovon sie reden. Ich bin nicht Maleen. Ich bin Dorothea Mayer. Ich kenne keine Maleen, ich glaub sie verwechseln mich mit irgend jemanden. Ich will auch auf kein Schloß, wie kommen sie nur auf eine solch absurde Idee.

König: Schon klar, du verstellst dich, um die Sache spannender zu machen. Ich habe mir schon im Chat gedacht, dass du eine von den verschlagenen Mädels bist. Aber du kommst mir nicht davon. Wir gehen jetzt gemeinsam in mein Schloß im Wald und wir werden jede Menge Spaß miteinander haben.

Der König packt sie, aber Dornröschen wehrt sich mit Händen und Füßen.

Dornröschen: Ich bin nicht Maleen. Im Chat war ich auch, aber da hieß ich Dornröschen und außerdem ist das doch alles nicht real. Das ist ein Märchenchat. Du bist kein König und ich bin Dorothea Mayer. Aber warum hört mich denn keiner. Hilfe!!!!

Erst sich umschauend, dann aber entschlossend eingreifend, erscheint Eisenhans im Wald.

Eisenhans: Ich bin Eisenhans und ich werde dich mit meiner gepanzerten Armee retten, Schneewittchen. Nimm deine schmutzigen Hände von dem zarten, jungen Mädchen oder ich stech dir die Augen aus!

Dornröschen: Eisenhans. Mein Retter. Aber ich bin nicht Schneewittchen. Ich bin Dornröschen, äh nein ich bin Dorothea Mayer. Aber im Chat da bin ich Dornröschen. Und jetzt bin ich in großer Not. Küss mich doch wach, damit ich erkenne, dass alles nur ein Traum war.

Eisenhans: Wenn du nicht Schneewittchen bist, was mache ich denn dann hier? Ich wollte es mir mit ihr für ein paar nette Stunden in ihrer Hütte bequem machen. Und überhaupt, warum sollte ich dir glauben, vielleicht spielt ihr mir hier nur ein Märchen vor. Alles ist ein von langer Hand geplanter Mordversuch gegen mich.

König: Das wird mir jetzt zuviel. Ich werde euch beide mit auf mein Schloß nehmen, euch umbringen und dann werden eure Därme von meiner Köchin im Keller geschreppt.

Eisenhans: Alles klar. Du willst uns hier das Märchen vom Mordschloß verkaufen. Aber nicht mit mir, ich hab dich durchschaut. Ha, Ha,

Dornröschen: Ich glaube, ich bin im falschen Film, mir wird auf einmal so schlecht.

Sie fällt in Ohnmacht, die beiden anderen stehen hilflos um sie herum und überlegen, wohin sie den Körper verstecken können.

Eisenhans: Wenn sie tatsächlich Dornröschen ist und nicht Dorothea Mayer, dann bietet sich doch diese Rosenhecke als Versteck an.

König: Also gut.

Die beiden schleudern Dornröschen in die Hecke.

2.Szene

zurück in Grethels Zimmer. Alle Geräte sind in Betrieb.

Grethel: Na also so was ist mir selten passiert. Diese Pädophilen sind auch nicht mehr zu stoppen. Aber warum gibt es keine guten Menschen mehr in diesem Wald aus Daten und Bytes? Laut Statistik findet sich doch heute jedes zweites Paar im Internet. In einem Café, in der U-Bahn, in der Bibliothek oder beim Sport findet sich fast keiner mehr. Und warum? Weil wir nicht mehr reden können? Weil uns zuviel menschliches Fleisch, leibhaftig vor unseren Augen, zum Vegetarier macht? Weil wir kein Selbstbewußtsein mehr haben? Oder bin nur ich es, die immer an die Spinner gerät. Wäre ich tatsächlich Schneewittchen, käme schon morgen mein Prinz und küßte mich wach. Ich würde mich dann wahrscheinlich ganz furchtbar unästhetisch übergeben, wegen des vergifteten Apfels in meiner Speiseröhre, und der Prinz aus dem goldenen Morgenland fände mich spätestens ab da unattraktiv. So viel zu meiner Lovestory. Ich sollte es ein leztes Mal versuchen.

Login. Nick name: Rotkäppchen. Password: Grimm.
Hallo iiiihhh.....Senden
Was zum Teufel ist denn jetzt los? Nein so ein Mist

Auf ihrem Bildschirm erscheint ein riesiger Wolfskopf, Grethel gerät in Panik. Sie hämmert auf ihrem PC herum, wirft ihre Tasse Kaffee um, schreit und flucht.

Wolfgang: Ich bin Wolfgang und du bist tot!

Grethel: Mist. Ich kann keinen Virus gebrauchen. Nein, nein, nein, der kann doch nicht meine ganzen Daten und Dateien fressen. Ich fasse es nicht. Er zerstört mich. Ich bin am Ende, wenn er mich.....

Der Bildschirm färbt sich blutrot.

Wolfgang: Du meintest doch deine Lippen sind rot, wie Blut, Schneewittchen. Jetzt ist es soweit. Ich hab dich gefunden. Du dachtest wohl, du kannst dich ewig vor mir verstecken? Aber der böse Wolfgang findet immer alle, dass sollte Rotkäppchen doch am besten wissen, nicht wahr Grethel?!

Grethel: Wer zum Teufel bist du? Ich kenne keinen Wolfgang. Ich bin nicht Grethel, nicht Schneewittchen oder Rotkäppchen. Ich bin ein Niemand!!!!! Log dich aus meinem System aus. Senden.

Wolfgang: Ich bin nicht nur in deinem System ich bin in deinem Kopf, Grethel.

Grethel: Ich dreh noch durch!
Was willst du? Ich tue alles was, du willst! Senden.

Die surrenden Geräusche der technischen Geräte werden immer lauter. Grethel beginnt die Stecker herauszuziehen. Doch es hört nicht auf.

König: Hallo Maleen. Du hast mich hinters Licht geführt!

Eisenhans: Hallo Schneewittchen. Wo bist du nur gewesen?

Dornröschen: Du Biest. Sie sind alle über mich hergefallen. Hat dir gefallen, die böse Hexe zu spielen. Hexe, Hexe, Hexe

Grethel: Ihr könnt mich mal, ihr seid alle nicht da. Das ist nicht real.

Grethel bricht unter den sich überlappenden Stimmen zusammen. Alles verschmelzt in ein Geräusch – Wirrwarr.

3.Akt, 1.Szene

Grethel liegt zusammengekauert im Wald und schläft. Als sie aufwacht, sieht sie sich verwirrt um, ganz friedlich und fröhlich bewegen sich die Figuren der vorherigen Szenen im Hintergrund. Rotkäppchen läuft mit ihrem Körbchen umher, Dornröschen hat sich aus der Hecke befreit und läuft auf ihren Prinzen zu. Grethel reibt sich die Augen. Sie glaubt noch immer zu träumen, bis sie Hänsel anspricht.

Hänsel: Grethel, Grethelchen wir müssen weiter.

Grethel: Wer bist du?

Hänsel: Was soll das Grethel? Ich bin dein Bruder, Hänsel.

Grethel: Was ist passiert?

Hänsel: Aber Grethel, kannst du dich an gar nichts mehr erinnern? Der Hunger und die Kälte haben dich schlecht träumen lassen.
Mutter und Vater hatten kein Geld für Brot und Milch, um uns zu ernähren, so beschloß Mutter uns Kinder fortzuschicken.

Grethel: Nein, das kann ich nicht glauben.

Hänsel: Doch, bei ihrem ersten Versuch uns fortzujagen, sammelte ich zuvor ganz viele Steine, die ich während unseres Marsches hinter mir fallen ließ. Danach fanden wir den Weg auch wieder zurück.

Grethel: Und warum sitzen wir jetzt wieder hier im Wald?

Hänsel: Weil unsere Mutter so eine bösartige Person ist, die uns einfach nicht im Haus haben wollte, obwohl Vater anderer Meinung gewesen ist. Sie schickte uns erneut weg. Wir haben doch alles gehört, als sie mit Vater im Schlafzimmer darüber gesprochen hatte. Wir lagen wach vor Hunger in unserer Kammer und haben alles mit angehört. Du hast so bitterlich geweint Grethel, kannst du dich an gar nichts mehr erinnern?

Grethel: Nein.

Hänsel: Um dich zu beruhigen, wollte ich erneut Steine sammeln, aber Mutter hatten meinen Plan wohl durchschaut. Sie schloß die Tür ab, sodass ich nicht nach draussen konnte.

Grethel: Und dann? So ein Biest, aber irgendwie? Äh...

Hänsel: Aber Grethel. Und dann streute ich die Brotkrumen aus, weswegen wir jetzt auch einen solchen Hunger haben. Von meinem Stück Brot blieb nichts übrig, so mussten wir dein kleines Stück Brot auch noch teilen. Ich habe uns ein Feuer gemacht, aber während es so leise vor sich hin knisterte, bist du nur hochgeschreckt und hast immer wieder gerufen nein, nein, ich bin nicht Grethel, nicht Rotkäppchen nein, nein..
Sag mal Grethel, wer ist dieses Rotkäppchen? Ist das eine Freundin von dir, von der ich nichts weiß?

Grethel: Ich hab keine Ahnung. Warum kehren wir nicht zu unseren Eltern zurück?

Hänsel: Weil die Vögel im Wald die Brotkrumen aufgefressen haben, und der Wald ist so groß und dicht, dass wir uns verlaufen haben.

Grethel: Ich glaub ich weiß, wie wir hier herausfinden.

Die beiden machen sich auf den Weg. Sie kommen vorbei am Pfefferkuchenhaus.

Hänsel: Schau mal Grethel! Da ist ein Haus, komplett aus Pfefferkuchen. Schnell lass und ein Stück abbrechen.

Grethel: Nein, nein, nein. Die alte Frau wird dich mästen, mich wird sie in den Ofen stecken und danach wird sie dich fressen wollen.

Hänsel: Woher willst du das wissen.

Grethel: Vertrau mir einfach.

Hänsel: Also gut.

Die beiden wandern weiter und treffen auf einen anderen Wanderer.

Wanderer: Nehmt euch in Acht, dass ihr bloß genügend Brot dabei habt, sonst kann es euch passieren, dass der eine dem anderen die Augen aussticht. Sodann, lebt wohl ihr beiden.

Grethel: Mir gruselt.

Rotkäppchen: Hallo ihr beiden, wollt ihr ein Stück Brot, Kuchen und Wein?

Hänsel: Nein Danke, wir wollen nur so schnell wie möglich raus aus dem Wald. Leb wohl holdes Mädchen.

Grethel: Sieh nur da vorn steht ein wunderschönes Schloß. Lass uns etwas näher ran.
Oh nein, auf einmal beschleicht mich so ein unwohles Gefühl. Ich glaube das ist das Mordschloß des sagenumwobenen Königs.

Hänsel: Aber nein schau doch, Grethel. Da oben am letzten Fenster steht eine alte Frau und ein Mädchen mit schwarzen Haaren, die die Betten ausschüttlen. Ich glaube die meinen es gut mit uns.

Grethel: Nein, wenn ich eines weiß, im Wald meint es fast niemand gut mit einem. Ehe man sich versieht kommt ein Wolf und frisst alles und jeden auf, oder hinter einem stolzen König verbirgt sich ein Lustmörder. Nein Bruder lass uns schnell von hier verschwinden.

Die zwei laufen immer weiter, sie drehen sich im Kreis, als sie bemerken, dass sie immer wieder an die gleichen Orte und Personen geraten. Alles beginnt sich zu drehen und die surrenden Geräusche der Hightechgeräte werden wieder lauter. Plötzlich Stille. Eine fremde Stimme:

Nächstes Level.

2.Szene

Zwischen den Welten, d.h. sowohl Wald, als auch Computerzimmer.
Grethel allein.

Grethel: Ich weiß nicht was das alles zu bedeuten hat.
Log in. Nickname: Grimm. Password: Grimm.
Hallo ihr, ich weiß nicht wer ich bin, ich weiß nur, dass ich voller Grimm bin und habe eigentlich nur einen Wunsch: Freiheit. Senden

Das blaue Licht: Zünde dir am blauen Licht dein Pfeifchen an und jeder Wunsch von dir wird in Erfüllung gehen. Vertrau mir.

Grethel: Danke.

Die Bühne wird von blauem Licht überflutet und so nach und nach senkt sich der Vorhang.

ENDE